Wie regellastig darf ein Kinder RPG sein?

Fertige Erwachsenenliteratur auf allen Spielebenen

Bei Erwachsenen erfreuen sich Rollenspielsysteme ständiger Beliebtheit. Jedes Jahr kommen neue Anbieter auf den Markt, um sich mit neuen Ideen und entsprechenden Regelwerken einzubringen. Der Rollenspieler selber freut sich über die Abwechslung.

Genauso sieht es mit den Spielgeschichten selber aus. Viele Spielleiter greifen auf fertige Abenteuer zurück, mit denen sie ihre Spielrunden durch das Jahres begleiteten. Einige Spielleiter betätigen sich kreativ und erstellen ihre eigenen Kampagnen. Dies bedeutet jedoch viel Vorbereitung und Aufwand für den Spielleiter. Das Spielen selbst gestalteter Kampagnen ist eine Meisterklasse.

Als langjähriger Rollenspieler ist man irgendwann an seine Regelwerken gewöhnt. So zumindest habe ich es oft empfunden. Kommt man einmal nicht weiter, dann wird dieses Regelwerk entsprechend zur Hand genommen um mit anderen Spielern den Vorfall zu diskutieren.

Da bildet meine Spielerunde keine Ausnahme. Wir schaffen es zum Beispiel auch beim gemeinsamen Brunch stundenlange Regeldiskussionen führen ;-)

Regelspaß oder Regelwahn?

Regeln gehören zu einem Rollenspiel dazu. Das ist korrekt.
Allerdings habe ich manchmal den Eindruck, dass Regeln in mancher Spielrunde nicht begleitende Nebensache sind, sondern Hauptbeschäftigung.

Das finde ich relativ schade, denn über die ganze Regeldiskutiererei kann der Spielspaß schon einmal verloren gehen.

Das fällt vor allen Dingen dann auf, wenn neue Mitspieler in die Runde kommen, die sich vorher nie mit Rollenspielsystemen auseinandergesetzt haben. Sie haben oftmals ein Problem damit, dass die halbe Sitzung aus Sätzen wie „kann ich das wirklich mit meinem Spruch treffen“, „wenn du das machst, dann musst du aber dieses beachten“ und „Spielleiter was sagst du denn dazu?“ besteht. Viele unerfahrene Mitspieler steigen schnell wieder aus, weil ihn die ganzen Regeln zu kompliziert sind.

Unter alten Hasen fällt das eigentlich gar nicht mehr auf. Im Gegenteil – je besser wir uns auskennen, desto schöner und detaillierter wird die Diskussion. Das Schöne in einer Runde mit Erwachsenen ist jedoch, dass wirklich interessierte neue Mitspieler sich in Geduld üben und selber lesen können.

Kinder brauchen Regeln und Grenzen – aber sie mögen sie nicht

Kinder haben diese Geduld noch nicht. Sie möchten sich nicht mit Regeln beschäftigen. Sie können keine Bücher lesen und sind auch nicht bereit, ellenlang über verschiedene Auslegungen zu diskutieren. Kinder möchten spielen! (Zitat: „Kann ich endlich würfeln?“)

Am liebsten wäre ihnen, wenn die Story wie einer CD ablaufen würde. Es soll spannend bleiben, schnell vorwärtsgehen, und einen fesseln. Mit Rollenspielen wollen wir unseren Kindern jedoch beibringen, selbstständig zu denken und sich aktiv an der Geschichte zu beteiligen. Allerdings müssen wir auch auf die ungeduldigen Grundbedürfnisse von Kindern eingehen. Deswegen sollte die Story und nicht die Regel im Vordergrund stehen.

Trotzdem ist es natürlich unumgänglich, dass gewisse Regeln vorhanden sind. Als ich damals mit meinem Sohn angefangen habe über Rollenspiele nachzudenken, stand für mich kein System im Vordergrund. Trotzdem habe ich mich für klassisches Fantasy entschieden, da ich es mag und es meinem Kind ebenfalls zusagte.

Unser erster Kontakt war tatsächlich Regelfrei.

Da die Fortsetzung aber mal wieder etwas länger wird, gibt es erst nächstes Mal etwas zu unserem Fantasy Einstieg zu lesen ;-)

4 Kommentare zu “Wie regellastig darf ein Kinder RPG sein?”

  1. Paradroid schreibt:

    Kinder mögen aber Werte. Da geht es meistens um die Frage: “Wer ist stärker?”. Ich spiele mit meinem 5-Jährigen Mini-Tabletops mit seinen Gormiti-Figuren. Wir addieren die Werte auf Karte und auf der Figur (das macht er gerne), nehmen das als Würfelpool und zählen die Erfolge (alles über 3). Das macht den Kampf spannender und doch fair. “Faery’s Tale Deluxe” funktioniert ähnlich.

  2. Selina schreibt:

    Ja, da steht meiner auch drauf. Und ich finde es beeindruckend wie gut man kleine Kinder so zum Rechnen bekommen kann. Mit 5 hätte sich meiner allerding noch geweigert.
    Über Tabletop habe ich auch schon nachgedacht. Aber da ich mich damit überhaupt nicht auskenne… habe ich keinen Plan was und wie.

  3. Paradroid schreibt:

    Ich habe auch keine Ahnung von Tabletop. Aber wir stellen eh keine Armeen auf. Da reichen simple Hausregeln oder RPG-Regeln.

  4. trundil schreibt:

    Hey,

    ich werde evtl. auch ab und zu mal über “Rollenspiele und Kinder” bloggen. Der Theorie folgt irgendwann evtl. auch noch ne Praxis :-)

Schreiben Sie eine Antwort