Pathfinder Beginner Box

Ich hatte einen kurzen Einblick in die Pathfinder Beginner Box versprochen. Das werde ich euch heute auch bieten, denn gerade für die RPGler mit jüngeren Kindern ist sie auf jeden Fall eine Anschaffung wert.

Ich habe vor einigen Wochen zum ersten Mal von den beiden Boxen (Pathfinder und D&D 4th Red Box) gehört. Ein passender Beleg dafür, dass erwachsene Rollenspieler sich mit den merkwürdigsten Dingen beschäftigen. Warum merkwürdig? Nun, derjenige der mir davon erzählt hat, ist bei allen mir bekannten Spielesystemen ein wanderndes Regelwerk. Vergleichbar mit dem sprechenden Almanach aus per Anhalter durch die Galaxis. Sehr praktisch so etwas, aber nicht Inhalt dieses Artikels. Auf jeden Fall finde ich es zum Schmunzeln, dass er sich als erwachsener Mann und durch und durch erfahrener Spieler besser mit Beginnerabenteuern auskennt als ich mit Kind.

Kurz gesagt, nachdem ich mir auf YouTube einige Videos angesehen hatte (zum Beispiel diesen Preview zur Pathfinder Beginner Box) stand die Entscheidung schnell.

Die daraus resultierende wichtigste Frage: Die deutsche oder die englische Box?

Immerhin wäre die deutschsprachige für Kinder in unseren Breitengraden besser geeignet. Andererseits – bei den deutschen Pathfinderprodukten gibt es zwei massive Haken: Schlechtere Qualität als die englischen Produkte (bisherige Erfahrungswerte) und dafür fast doppelte Preise.

Mag es der Geiz oder das Qualitätsbewusstsein gewesen sein – ich habe die englische Box bestellt.

Der Aufbau der Box ist in dem oben verlinkten Video zu sehen und deshalb möchte ich direkt ans Eingemachte gehen.

Die Box selber ist hochwertig und stabil. Sie wirkt so robust, dass auch Kinder sie öffnen und wegstellen können, ohne dass gleich Kitschen reinkommen.
Das Cover zeigt ein gewohnt hochwertiges Paizo Bild und dürfte Anfänger und Kinder ebenfalls magisch anziehen. Der Kampf gegen einen Drachen, der einen riesigen Goldschatz bewacht. Mein Sohn verweilte tatsächlich vor dem Öffnen der Box einige Momente mit den Augen auf dem Deckel und sah sich fasziniert das Bild an.

Nach dem Öffnen der Box wurde es kurz schwieriger. Es sind zwei Bücher darin enthalten, die dummerweise fast passgenau in die Box gesetzt sind. Darunter sind die Karten mit den Spieler- und Monster Aufstellern. Und die sind nun wirklich kaum aus der Box zu friemeln, solange sie nicht aus der Pappe heraus gedrückt sind.
Die beste Möglichkeit: Die Verpackung einfach auf den Kopf drehen und alles vorsichtig rauspurzeln lassen.

Nach einem ersten durchblättern des Hero’s Handbook und des Game Master’s Guide war erst einmal die auf Papier als Faltblatt gedruckte Klasse des Fighters dran. Dadurch, dass hier die gleichen Charaktere wie in den normalen Pathfinder Regelwerken abgebildet sind, hatten wir einen interessanten Effekt. Die Box schien meinem Nachwuchs von Anfang an vertraut, weil er alle Zeichnungen schon kannte. Und der Fighter mit seinem Schwert und der Rüstung gehörte schon immer zu seinen Favoriten.

Aus elterlicher Sicht kann ich sagen: Auch die Faltblätter sind eine super Idee. Im Innenteil ist bereits pro Klasse ein ausgearbeiteter Charakterbogen, jeweils Level 1, abgedruckt. Es sind alle Basisklassen dabei, wie Fighter, Rogue, Cleric und Wizard.

Toll, spart Mama sich doch hier das Durchwühlen der Regelwerke und hat dadurch ebenfalls bessere Laune. Vorhandenes Equipment, Feats etc. sind ebenfalls erklärt. Zusätzlich dazu befinden sich einige leere doppelseitig bedruckte Charakterbögen für Level-Ups oder eigene Charaktere in der Box, die man sich gut fotokopieren kann und die für Anfänger wohl übersichtlicher sind als die normalen Bögen.

Geht es endlich los?

Als ich fertig mit der Betrachtung war, war die beigefügte BattleMap bereits aufgebaut und bewohnt. Tief im Dungeon stand der Fighter als Pappaufsteller und sah freudig seinen ersten Taten entgegen. Das beiliegende rote Würfelset war ebenfalls schon ausgepackt und wurfbereit in der Hand. Das Kindergesicht mit wachen, große Augen ließ keine Fragen offen – jetzt, auf der Stelle musste er los ziehen!

Moment, also… mensch, Kind…. Musst du immer gleich in die Vollen gehen?

Kurz noch zur Map und den Aufstellern: Beides ist vom Material her hochwertig. Allerdings ist alles in normale Plastiktüten eingeschweist und die habend das Auspacken nicht überlebt.

Wieso bitte lernen Spielehersteller nicht, dass es seit 15 Jahren so etwas wie Zip-off Beutel oder wieder verschließbare Beutel gibt? Wenn die Pappaufsteller mit den losen Würfeln und den (mir zu wenigen) Halterungen für die Aufsteller lose durch die Box kugeln,  dürfte das nicht allzu lange gut gehen. Hier muss der Erwachsene leider selbst nachbessern. Wer zudem oft die Pappaufsteller wechselt, der dürfte ebenfalls die Nase rümpfen. Die Karten stecken bombenfest in den Sockeln und ständiges einbauen und ausbauen dürfte sie auf Dauer strapazieren.

Die Map ist auf DIN-A4 gefaltet und umfasst ausgeklappt 3×3 Seiten. Dadurch, dass das Material stabil und scheinbar feucht abwaschbar ist, faltet die Map sich in den Knicken leider immer wieder selber. Brav platt auf dem Boden oder Tisch zu liegen scheint nicht ihr Fall zu sein. Nun, wir haben uns mit ein paar Skylandern auf den Ecken beholfen, die prima Kontraste in den Dungeon brachten und die durchaus Material für zukünftige Abenteuer liefern.

Aus elterlicher Sicht muss ich sagen, dass bedruckte Fliesen mit Vorgaben, wie Dungeons, bei Kindern deutlich besser ankommen als die reguläre Map. Schade nur, dass man (oder nur ich?) sich schnell an den möglichen Optionen zum Auslegen satt sieht. Ohne einen riesigen Koffer mit Tiles fehlt mir persönlich Abwechslung.

Okay, aber zurück zur Box.
Ehrlich gesagt bin ich an dem Tag nicht mehr dazu gekommen, meine Nase in die hochwertigen Bücher der Box zu stecken. Mit Mühe und Not habe ich es gerade noch zu dem Solo-Abenteuer auf Seite 2 im Hero’s Handbook geschafft. Das ist ähnlich aufgebaut wie früher diese Bücher. „Wenn du xyz machen willst, lies weiter auf Seite 28“.

Das Abenteuer passt mit etwas grübeln sogar auf die Dungeon Map. Allerdings sind weder Startpunkte vermerkt noch stimmen die Wegoptionen zu 100%. Aber egal, Junior hatte für jede unlogische Situation eine (für ihn) absolut stimmige Erklärung, warum das so ist.

Ehrlich gesagt würde ich aber von dem kleinen kurzen und interessanten Solo Abenteuer lieber ein andermal ausführlich schreiben…

Macht die englische Box einen Unterschied?

Englisch oder deutsch – ich glaube, das macht bei der Box keinen großen Unterschied. Die Teile, die Kinder interessieren (Map, Aufsteller und Würfel)  sind international. Mir persönlich ist aufgefallen, dass das Englisch bzw. die Ausdrucksweise sehr … einfach und erklärend gehalten ist. Bei den erwachsenen Regelwerken tue ich mich manchmal immer noch mit dem Fachvokabular schwer. Das Solo Abenteuer konnte ich jedoch beim Lesen locker und frei übersetzen.

Greifbares Gesellschaftsspiel mit Pappaufstellern

Die Box selbst hat durch den Aufbau mit Karte und Aufstellern mehr von einem Spiel als ein frei am Tisch erzähltes Abenteuer. Ich würde sagen, die Handhabung erinnert an ein Gesellschaftsspiel. Das Kind kommt mit der Box an und baut einfach auf, statt mir in den Ohren zu liegen „Wann können wir endlich wieder spielen?“.
Alles ist viel greifbarer mit den Aufstellern, die eine gute Alternative zu den teuren Miniaturen sind. Und mal ganz ehrlich: Wer nicht selber gut malen kann, hat an den fertigen Miniaturen oft nur bedingt Freude und findet meistens nicht das perfekte Gegenstück. Mit der Box liegt uns nun eine riesige Auswahl von – tschuldigung – kindgerecht gstalteten Monstern vor.

Ich muss bei der Bezeichnung selber lachen, aber irgendwie passt es ganz gut. Okay, bei näherer Betrachtung sind auch hier ein paar üble Gesellen mit dabei. Allerdings sind die Zeichnungen einfach nur schön anzusehen. Doppelseitig und blutfrei. Zudem sind viele Monster mehrfach vorhanden. Die beliebten Goblins finden sich inklusive Boss gleich 5 mal und die bei Kindern beliebten Skelette 4 mal.

Trotzdem mit eigenen Ideen erweiterbar

Wer mit Kindern spielt, wird keine Probleme haben, die Box zu erweitern oder erweitern zu lassen. Abgesehen von den (großen) Skylander Figuren sind bei uns schon zwei weitere Figuren in die Box eingezogen. Der Säbelzahntiger aus Ice Age und passend dazu eine weitere Figur irgend eines – was auch immer -, die größenmäßig sehr gut auf die 5ft Felder passen. Ich glaube, die Ideen werden uns da nicht ausgehen.

Für den Preis der englischen Box fange ich zudem nicht an zu weinen, wenn mal was zu Bruch gehen sollte. Dabei sei angemerkt, dass Rollenspielsachen hier immer noch sehr behutsam gehandhabt werden. Zumindest im Gegensatz zu anderen Spielsachen. Und wenn man mit Kindern spielt, dann müssen Rollenspieldinge auch als Spielzeug angesehen werden, das verschleist oder verschwindet.

Kinder sind Kinder – und kostbare Regelwerke, die keinen Knick bekommen dürfen, gehören dann nicht in ihre Reichweite.

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