GameMaster, die erste

Hurra, ich lebe noch….

Ich habe meinen ersten Abend als GameMaster (master of disaster) überstanden. Obwohl mein Nervositätslevel in der Woche sehr hoch war, habe ich mit dem näher rückenden Termin auch zur Ruhe gefunden. Darauf hatte ich auch ein wenig gehofft, denn mein Streßverhalten kenne ich inzwischen ganz gut. Vorher Panik haben, und wenn es dann los geht bin ich fast ruhig. Lieber so, als umgekehrt.

Der Abend selber ist ganz gut verlaufen. Ich habe erst einmal probiert noch ein wenig zu dem Umfeld (Stadt und Leute) zu erklären und dann realtiv ruhig mit einer Standardsituation angefangen. Sprich: Ihr sitzt in der Kneipe und wartet auf den Auftraggeber. Für die PlayerCharaktere gab es nicht sonderlich viel zu tun, dafür konnte ich mich allerdings austoben. Ganz eigensinnig bestand meine Hauptaufgabe an dem Abend darin, mich in meine Erzählungen und meine Welt einzufinden, während sich die Figuren an ihr drittes Bierchen klammern durften.

Wie bin ich an den Abend ran gegangen?

Der Ablauf selber stand von der Grundidee her natürlich, aber ich wollte es nicht zu steif vorbereiten.
Erst einmal habe ich mir deshalb zwei Tage vorher ein Verbot auferlegt, mich zu intensiv mit der Vorbereitung zu beschäftigen. Jedes Mal, wenn es anfing mich zu hetzen, habe ich mir bewusst etwas anderes gesucht. Das war allerdings nicht immer leicht.

Am Nachmittag vor dem Spiel habe ich mich dann trotzdem nochmal hingesetzt und mir einen Plot in einer Textdatei vorbereitet. Ja, richtig gelesen – ich benutze ein Netbook ;-)
Den Ablauf habe ich mit den wichtigsten Stichpunkten wie zB. “Kneipe: Beschreibung, Angestellte, Publikumszusammensetzung” aufgeschrieben und diese Stichpunkte dann als Spickzettel benutzt. Wenn wir uns verquatscht haben wusste ich immer wo ich gerade war und konnte schnell sehen: Ach, hier wolltest du dann jetzt dies und jenes. Damit hatte ich immer einen roten Faden, an dem ich mich festhalten konnte.

Zugegeben, dieser Textfile war aufwendiger (20 Minuten Arbeit, naja). Hat mir dafür aber enorme Sicherheit gegeben. Als neuer GameMaser werde ich es noch ein paar Sessions beibehalten – Wahrscheinlich schrumpfen einfach die aufgelisteten Informationen nach und nach von alleine.

Schlagfertigkeit will gelernt sein

Obwohl ich an dem genannten Abend glücklich im Bett lag, gab es am Tag darauf die ein oder andere Situation, in der ich mir im Nachgang dachte “Mist, hättest du mal… – das wäre die bessere Reaktion gewesen.”
Und ich gebe zu, über die ein oder andere Kleinigkeit habe ich mich dann schon geärgert. Aber was soll’s.
Mir fehlt halt noch die Erfahrung. Und jede verpatzte Situation (naja, verpatzt war es nicht wirklich) hat den Vorteil, dass ich mir das Ergebnis merken kann. Und auch die Gegenreaktion, die mir leider erst später eingefallen ist.

Kleines Beispiel:

Aus einer Schlägerei im Hinterzimmer verlagert ein Spieler die bis dahin diskrete Show mit lautem Rufen in den voll besetzten Schankraum (einer Piratenkneipe).

Ich war baff und dachte mir nur “ey, spinnt der?”. Meine Reaktion darauf war, dass 60% der Gäste die Kneipe fluchtartig verlassen, als sie dort ohne Vorwarnung voll bewaffnete Spielercharaktere (mit gezogenen Waffen) stehen sehen. Also recht flach.

Hinter dachte ich mir: Hättest du mal 20 von den Gästen ihre Säbel als Gegenreaktion ziehen lassen. Die kannten die Spieler nicht und die Spieler hätten für die Besucher genauso gut die Bösen sein können.

Das wäre lustig geworden, wenn sie sich da hätten wieder rauswinden müssen… ;-)

Beim nächsten Mal habe ich das mit Sicherheit noch im Gedächnis. Und irgendwann klappt es hoffentlich aus dem Stehgreif.

2 Kommentare zu “GameMaster, die erste”

  1. Greifenklaue schreibt:

    Mir geht das auch manchmal so, dass ich mir denke, *mist* andere reaktion wäre besser gewesen. Ich versuch das mittlerweile zu umgehen, indem ich kurz innehalte, mögliche plausible Reaktionen überlege und die Würfel entscheidej lasse.

  2. Broeckchen schreibt:

    Tehehe, erkenne da emotional so einiges wieder. Hab auch erst vor etwas mehr als einem Jahr mit dem meistern angefangen und war da noch sehr nervös. Ich hab mir allerdings gegönnt (da ich auch ausschließlich Einsteiger in der Runde bespaßte) eines der regeltechnisch einfachsten Systeme überhaupt zu verwenden: Ratten.

    Jetzt bin ich zu Engel übergegangen, wo der Anspruch schon ein ganz anderer ist. Seitdem hab ich ein paar Kniffe entdeckt, die dir vielleicht helfen könnten.

    Zum Beispiel hat es sich als eine gute Idee herausgestellt, sich für jeden Spieler eine Einzelrunde auszudenken, maximal in Zweierteams. Der Grund dafür ist, dass sich Spielleiter und Spieler so richtig gut aneinander herantasten können. Spielt man eine Situation aus der Vergangenheit, so wird der Spieler eine viel klarere Vorstellung von seinem Charakter (und seiner Fähigkeit, diesen zu verkörpern) haben. Er wird seine Vergangenheit stärker ausspielen, da er sie erlebt hat. Und es ist super, um die Spielwut der Schäfchen anzuheizen, aber gleichzeitig eine Runde lang nur einen Floh statt gleich einem ganzen Sack davon zu hüten.

    Auch toll, vor allem um Ruhe herzustellen, ist leise Hintergrundmusik. Am besten eignen sich dabei Filmsoundtracks, wobei du aber sehr bekannte Filme, wie Fluch der Karibik, umgehen solltest. Es gibt aber viele unbekannte, aber wunderschöne Soundtracks, wie “Lady in the Water” oder “Lemony Snicket”. Zu Mittelalter passt das kürzlich rausgekommene “How to tame your Dragon” sehr schön. Und düstere Szenarien werden von “Portal” und “9″ herrlich finster ausgeleuchtet.

    Außerdem: Ich kann verstehen, wenn du die Spieler nicht mit zu genauen Vorbereitungen einschränken willst und finde das auch richtig so. Aber bedenke im Vorhinein, ob du Requisiten brauchst und wenn ja, welche. Gerade Karten und Botschaften sollten schon vorbereitet werden und auch halbwegs ins Spielambiente passen (wenn sie nicht nur der Anschaulichkeit eines Dungeons dienen).

    Ansonsten experimentier ruhig ein wenig herum. Mein Lieblings-Versuch ist den Spielern alle möglichen Arten von Monstern vorzusetzen, die für Bekämpfung eigentlich nicht infrage kommen (Engel ist voll von hausgroßen Ungeheuern und winzigkleinen Pestträgern) und ihnen interessiert dabei zuzugucken, wie sie sich da wieder raus strampeln. Das Schönste daran ist, dass beide Seiten Spaß daran haben, denn du überlebst schöne Überraschungen und die Spieler… auch. :3

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